Niklaus Schmid


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März Teil 1

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

März

Von Katzen, die mal müssen ...

Es regnet, der Nordwind Tramuntana weht schon seit zwei Tagen. Und zwei Tage können lang sein, wenn man daran gewöhnt ist, dass sich das Leben zum größten Teil außerhalb des Hauses abspielt.

Menschen und Tiere werden nervös. Wenn die Katzen mal müssen, gehen sie nur bis zum Vordach, schütteln sich hinterher die nassen Pfötchen und kriechen wieder zurück ins Bett. Bei richtig schlechtem Wetter erstarrt das Inselleben. Das Fährboot fährt nicht, und das Frachtschiff, das die Butanflaschen bringt, kommt auch nicht. Zurzeit gibt es also kein Gas. Wer nicht die Möglichkeit hat, wie die Bauern im Kamin mit Reisig zu kochen, der ist nun schlecht dran.

... dem Vertrauen der Mittelmeerbewohner ...

Die Kamine in den Bauernhäusern ziehen zwar hervorragend, doch Wärme verbreiten sie so gut wie überhaupt nicht. So bleiben die Fincas, die im Sommer bestens gegen die Sonne schützen, im Winter kalt und feucht. Seltsamerweise haben sich die Formenterenser nie die Mühe gemacht, ein wirksames Heizungssystem zu entwickeln. In diesem Punkt offenbart sich bei ihnen das Vertrauen des Mittelmeerbewohners, der glaubt, dass der Winter schnell vorübergeht.

Tut er leider nicht. Noch immer heult der Wind ums Haus. An Tagen wie diesen trinken die Fischer einen Kognak mehr als sonst, ihre Frauen laufen den ganzen Tag über im Morgenmantel umher, und die Residenten verfluchen die Entscheidung, im Winter auf Formentera geblieben zu sein.

... und dem Wiedererscheinen der Eidechsen


Nicht klagen, wärmer anziehen! Nix tun. Abwarten! Auf Formentera gibt es unzählige Gründe, sich vor der Arbeit zu drücken: Mal ist es zu kalt, meistens zu heiß, sind die Temperaturen ideal, möchte man zum Strand; und trifft all das nicht zu, kommt überraschend Besuch mit einer Flasche Wein vorbei.

Doch heute kommt niemand, da kann ich noch so lange schauen. Die Hochebene La Mola ist hinter den tief hängenden Wolken verschwunden. Wenn es auf Formentera regnet, dann ist dies der kälteste und ungemütlichste Ort der Welt.

Zum Glück dauert der Regen selten länger als drei Tage. Von einer Stunde zur anderen bricht die Sonne durch, sofort ist es wieder warm. Alle Türen öffnen sich, auch die Herzen und Münder der Menschen und die Kelche der Blüten. Die Bienen summen, Hund Max sucht nach einem Floh, der vorher tief in seinem Fell verborgen war, und die Eidechsen kommen unter den dampfenden Steinen hervor.

Fortsetzung folgt...
am 15. März....

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Aktualisiert am 1. März 2018 | kontakt@niklaus-schmid.de

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