Niklaus Schmid


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Okt. / November

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

Oktober / November

Vom launischen Wettergott ...


Die Füße im Wasser, Seegras in den Ohren, auf dem Rücken liegen
und in den blauen Himmel starren. Der sommerliche Hitzedunst ist verschwunden, die Sicht wird weit. Der Herbst ist die Zeit der dramatischen Wolkenbilder. Vom Kap Barbaria schieben Wolken ihre Kamelhöcker über den Horizont. Ein dunkelgraues Löwenmaul erscheint, frisst weiße Lämmerwolken, wird dick, gelb, böse. In einer Stunde werden wir das schönste Gewitter haben.

Es dauert keine zwanzig Minuten. Wie Bleigewichte fallen die Tropfen ins Meer, in die Wege mit dem mehlig feinen Staub reißen sie kleine Krater, auf den staubbedeckten Feigenblättern bilden sich Rinnsale. Die ersten Regentropfen seit drei Monaten – die ganze Insel überläuft ein Schauer des Wohlgefühls.

Die ganze Insel? Nein, die Besucher ziehen Schnuten. Sie wollen nicht einen einzigen Sonnentag missen. Doch diesmal nimmt der Wettergott keine Rücksicht. Blitze zucken, dann gießt es in Strömen. Die ausge-
trocknete Erde kann die Wassermassen gar nicht aufnehmen, es bilden sich Bäche und Pfützen. Nicht weniger als drei Gewitter wetteifern miteinander; es gibt ja auch so viel nachzuholen.

… einem Blick auf Ibiza ...


Dreihundert Sonnentage zählt die Statistik übers Jahr auf den Balearen; Formentera hat noch ein paar mehr. Die Wolken, die sich in Mallorcas Bergen festkrallen, die sich auch schon mal über den Hügeln von Ibiza ausregnen, diese Wolken ziehen über das flache Formentera hinweg.

Weniger Regen, dafür sind die durchschnittlichen Temperaturen um ein, zwei Grad höher als auf den Nachbarinseln. Obwohl die balearischen Schwestern sehr eng beieinander liegen, sind sie doch sehr verschieden: Das grüne Menorca scheint fast eine nordische Insel zu sein, während Formentera afrikanisch anmutet.

… und dem wirksamen Mittel gegen Nesträuber


Das Gewitter zieht weiter, schlagartig hört der Regen auf. Die Luft dampft, und es riecht herrlich nach regennasser Erde. In den Olivenbäumen, deren Blätter jetzt wieder silbrig glänzen, zetern die Spatzen. Sie verteidigen ihr Revier gegen die Singvögel, die auf der Durchreise nach Afrika sind.

Der markanteste der einheimischen Vögel ist der zebragestreifte Wiedehopf. Flach fliegt er über das Land, klappt beim Landen seinen prächtigen Kopfputz wie Bremsklappen auf und ruft sein charakteristisches „Hupupup“, weshalb ihn die Einheimischen Puput nennen. Nesträuber machen um den Wiedehopf einen großen Bogen; die alten Hopfe verspritzen eine stinkende Flüssigkeit und die jungen bewerfen Angreifer mit Kot.

Fortsetzung folgt.
..

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Aktualisiert am 25. Oktober 2017 | kontakt@niklaus-schmid.de

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