Niklaus Schmid


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April Teil 2

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

April Teil 2

Von Steinen, die zu Kunstwerken werden ...

Toni ist Maurer, aber keiner, der mit Zement arbeitet. Toni kann, was nur noch wenige auf Formentera können: Er schichtet die Feldsteine nach alter Art, ganz ohne Mörtel, zu wunderschönen Natursteinmauern. Zuerst spannt er eine Schnur als Richtlinie. Dann legt er die großen Felsbrocken in zwei Schichten entlang dieser Schnur.

Ganz pingelig ist er bei dieser Arbeit, schlägt hier eine vorstehende Ecke ab, rückt dort einen Stein nach. Die Mauer muss, um sich selbst ohne Bindemittel zu stützen, etwas konisch sein. Die Lücken zwischen den Außensteinen füllt Toni mit kleinen Felsbrocken. Auf die Mauerkrone legt er flache Steine, die an der Küste gebrochen wurden und Regen und Sonne lange widerstehen.

… einem Maurer, der seinen Namen ruft ...

Tonis Hände sind rau, seine Stimme ist, wie bei einigen Formenterensern, seltsam hell. Wenn er sich einem Haus nähert, ruft er nicht „Hallo“, sondern nennt seinen eigenen Namen. Es klingt, als riefe ein Vogel: „Ton-nii, Ton-nii!“ Eine liebenswürdige und nachahmenswerte Gewohnheit.

Ich wäre froh, wenn jeder, der sich meinem Haus nähert, seinen Namen riefe. Es gibt an den Bauernhäusern keine Klingel, nicht mal eine Gartenpforte, alle Türen stehen offen. Die Einheimischen machen sich grundsätzlich bemerkbar, die Besucher fast nie, stehen plötzlich wie aus dem Boden gewachsen vor einem, in der Sala oder am Bett, und fragen nach dem Weg zum Strand.

… und einem Fahrrad aus der Maurenzeit

Bei Toni ist etwas alt oder sehr alt, oder es stammt aus den Zeiten der moros. Nach dieser Einteilung gehört mein rostiges Fahrrad in die Maurenzeit. Damit sind wir zurück in der Inselgeschichte. Und bei den Mauren – zu ihnen später mehr.

Jetzt aber noch etwas zu den Mauern, seien mit oder ohne Zement gebaut: Es gibt Stellen auf der Insel, wo Leute Dinge, die sie nicht mehr brauchen, die aber noch gut sind, über eine Mauer legen. Manch einer hat an diesen Stellen, meist nahe den Müllkästen, schon intakte Küchengeräte oder einen pikobello sauberen, noch ordentlich gefalteten Pullover gefunden. Und vielleicht hat er dort stattdessen, weil Bücher wegwerfen ja weh tut, irgendwann oder auch nicht, seine gelesenen Taschenbücher abgelegt.

Keine Verordnung, kein Schild, nicht mal eine Absprache. Aber es funktioniert!

Fortsetzung folgt...
am 24. April ...
am 15. Dezember a
aamaa...a.a.... .


Aktualisiert am 15. April 2019 | kontakt@niklaus-schmid.de

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