Niklaus Schmid


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Januar Teil 1

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

Januar

Von den Heiligen Drei Königen …


6. Januar. Heute ist Feiertag, vor allem für die Kinder. Schon Tage zuvor haben sie Wunschbriefe an die Heiligen Drei Könige geschrieben. Mit Apfel, Nuss und Mandelkern, die es früher zum Fest gab, ist es nicht mehr getan. Wie bei den Großen sind auch bei den Kleinen die Erwartungen gestiegen. Pepito hat ganz oben in seine Wunschliste ein Videospiel gesetzt.

Aufregung schon seit Tagen, aber der Höhepunkt war gestern, als die Reyes Magos mit dem Schiff aus Ibiza herüberkamen. Dem Mann mit kohlschwarzem Gesicht und wolligem Haar schlug das lauteste Kinderschreien entgegen, eine Mischung aus Erwartung und Furcht. Kinder, die nicht artig waren, so drohen die Eltern, kriegen an Stelle von Geschenken ein Stück Holzkohle.

… einem enttäuschten Pepito ...


Wie seine königlichen Kollegen trug Balthasar eine Papierkrone, silbern und golden, und dazu einen blutroten Umhang. Alle drei wankten leicht, entweder von der langen Schiffsreise oder von den geistigen Getränken, mit denen sie sich vor der Begegnung mit den Kindern gestärkt hatten. Auf dem Kirchplatz von San Fernando spielte eine Kapelle. Einige der Kinder hatten sich verkleidet, alle kreischten, zappelten – Los Reyes Magos ist eine Mischung aus Nikolaus-Tag und Karneval.

Endlich rief einer der Heiligen Könige von einer Namensliste, die ihm die Eltern zugesteckt hatten, die Kinder auf, während der zweite abwechselnd strafend oder lobend blickte und der dritte in den Gabensack griff.
Das Videospiel für Pepito war nicht dabei.

… und dem Loch im Krapfen


Die Heiligen Drei Könige verschwanden in Richtung La Mola, um dort bei der Kirche ihren Aufgaben nachzukommen. Zu Hause bei Pepito gab es Buñuelos. So lecker diese Krapfen nach Inselart auch sind, für ein entgangenes Videospiel bedeuten sie dennoch nur einen schwachen Trost.

Buñuelos, wie Pepitos Mutter sie macht:

Ein halbes Kilo Kartoffeln mit Zitronenschale und Anis oder Fenchelsamen in wenig Wasser gar kochen. Die leicht abgekühlten Kartoffeln durch ein Sieb pressen, Hefe und zwei Eier zugeben und kräftig durchkneten. Rund ein Kilo Mehl bereithalten und langsam beimischen. Den fertigen, nicht zu festen Teig zu kleinen Ballen formen, in Öl ausbacken und mit Zucker bestreuen. Könner drücken beim Ausrollen der Teigballen mit dem Daumen ein Loch in die Krapfen - nur dann sind sie echt.

Fortsetzung folgt...
am 15. Januar
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Aktualisiert am 7. Januar 2018 | kontakt@niklaus-schmid.de

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