Niklaus Schmid


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Juni Teil 1

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

Juni Teil 1

Von einem Ufo-Landeplatz ...

Mein Freund!

Da hatte ich mit Glück einen Job gefunden, und nun – doch der Reihe nach.
Auf Ibiza traf ich den Amerikaner Chuck Wakefield, der das Blatt „Ibiza Insight“ herausgibt, editiert und auch zum größten Teil selbst schreibt. Für die deutsche Ausgabe, die „Ibiza Nachrichten“, hat er mich angeheuert.

Chuck stammt aus Oregon. Mit seiner Frau und vier vietnamesischen Adoptivkindern hat er einen Hund und zwei Dutzend amerikanische Leghornhühner auf die Insel gebracht. Eine seiner ersten Handlungen war, auf dem Dach seines Hauses ein Fernrohr aufzubauen und auf die vorgelagerte Insel Conejera zu richten. Chuck ist überzeugt, dass es sich bei dem unbewohnten Eiland um einen Ufo-Landeplatz handelt.

... der Kolumne für Verklemmte ...

Damit übertrumpft er jene Einheimischen, die die kahle Kanincheninsel für den Geburtsort von Hannibal halten. Ab und zu taucht Sexy Renée Cohen in der Redaktion auf und packt saftige Geschichten aus, Inselklatsch und Biographisches.

Sie war viermal oder fünfmal oder sechsmal verheiratet, unter anderem mit einem arabischen Scheich. Vielleicht hast Du Renée mal auf dem Ibiza-Poster gesehen, das sie vor dem Hotel Montesol zeigt, ihre prallen Brüste dekoriert mit einer riesigen Schlange. Chuck möchte, dass sie unter der Überschrift „Leser fragen, Renée antwortet“ so eine Kolumne für Verklemmte schreibt. Da aber im Sommer kaum mit Leserbriefen zu rechnen ist, soll ich die pikanten Fragen stellen. Warum gerade ich?

... und einem körperlosen deutschen Spion

Chucks Kinder tragen die Zeitungen aus und verwalten das Archiv. Dauernd kramen ein oder zwei von ihnen wie Eichhörnchen nach Fotos und alten Artikeln. Chucks Frau sorgt fürs Essen, sie belegt Brötchen mit Salat, Senf und Mayonnaise. Chuck sitzt an der Schreibmaschine, zeigt ein Profil wie Marlon Brando, bevor der ganz fett wurde, und tippt so schnell, wie andere denken. In den Dämmerstunden liegt er mit seinem Fernrohr auf der Lauer. „Wenn sie kommen, bin ich bereit“, verriet er mir einmal. Mit „sie“ meinte er die Außerirdischen.

Überrascht wurde er dann allerdings von einem deutschen Spion, der angeblich während des Zweiten Weltkriegs in dem Haus wohnte und noch immer durch die Räume spukt. Doch Chuck, laut Inselgerücht ein ehemaliger CIA-Agent, war geistesgegenwärtig genug, dem nächtlichen Besucher ein Kopfkissen entgegenzuschleudern: „Es ging dem Kerl glatt durch den Körper.“

Fortsetzung folgt am 15. Juni .A

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Aktualisiert am 1. Juni 2018 | kontakt@niklaus-schmid.de

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