Niklaus Schmid


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April Teil 1

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Formentera
Eine Insel auf dem Weg zur Legende


Auszüge aus "Formentera - Der etwas andere Reiseführer"


Wie war das noch mal mit dem Wikingerprinz Sigurd, den maurischen Piraten und Bob Dylans Schafwollpullover? Diesen Fragen gehe ich in meinem Buch "Formentera - Der etwas andere Reiseführer" nach. Mal berichte ich aus der Vergangenheit, beispielsweise von den Phöniziern, die auf der Insel die ersten Salzbecken bauten, oder von den Arabern, die ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anlegten. Dann wieder springe ich zurück in die Gegenwart, erwähne neuzeitliche Legenden, schreibe über die Tier- und Pflanzenwelt oder erzähle Geschichten von Künstlern und Charakterkäuzen. Auszüge, wie gesagt, und zwar im monatlichen Wechsel.

April Teil 1


Von Weinflaschen in den Kakteen ...

Wir müssen über den Müll reden. Der Müll ist das Problem der Insel. Früher war er das nicht. Essensreste wurden den Haustieren vorgeworfen. Keine Gräte, kein Knochen blieb übrig. Dann kamen die Konservendosen, die Joghurtbecher, die Plastiktüten.

Die ersten Mülltonnen wurden Anfang der Achtzigerjahre aufgestellt. Bis dahin hatte jeder an seinem Haus ein altes Teerfass, in das alles Brennbare hineinkam; Papier, Pappe, Plastik verschwanden mit dickem Qualm in der Luft. Mit den nicht brennbaren Sachen war es schon schwieriger. Aus Gewohnheit warfen die Bauern die Konservendosen in den Korral, wo die Schweine wühlten und die Hühner pickten. Weinflaschen landeten in den Kakteen oder stapelten sich zu Mauern und wurden so zu Zeichen der Trinkgewohnheiten.

... umweltbewussten Ausländern ...


„Wo die Literflaschen mit den drei Sternen herumliegen, musst du vorsichtig sein, da wird dir chemischer Wein angeboten“, lautete eine der ersten Warnungen, die mir mein Nachbar zukommen ließ.

Zu den Mülltonnen kamen später die Altglascontainer. Wer umweltbewusst war, und das waren inzwischen fast alle, der trennte nun die Flaschen vom übrigen Müll und brachte sie zu den glockenartigen Behältern. Besonders brav waren die Ausländer. Bis sich dann herumsprach, dass die Flaschen auf derselben Kippe landen wie der übrige Müll. Aber wenigstens sind sie dort vorsortiert, und die Möglichkeit, dass sie eines Tages in den Kreislauf zurückgeführt werden, ist zumindest nicht auszuschließen.

... und Oldtimern im Abendlicht


Schließlich wurden ja auch die alten Autos, die überall in der Landschaft herumstanden, abtransportiert. Wenngleich nicht alle. Einige der rostigen Wracks, darunter regelrechte Schätzchen, stehen noch nahe den Höfen, wo sie als Kaninchenställe dienen. Die Einheimischen haben für den Sperrmüll einen mehr praktischen Blick. Warum, so fragen sie sich, soll ich die aus den Hotelzimmern ausrangierten Bettgestelle nicht als Weidezaun benutzen? Und der kaputte Kühlschrank passt womöglich wunderbar in eine Mauerlücke.

Für die Ausländer ist solch ein zwangloses Nebeneinander von Alt und Neu ein Graus. Stilbruch! Verschandelung! Doch wenn die Mauer aus leeren Teerfässern erst einmal von Wildblumen überwuchert ist, kriegt sie ihren eigenen Reiz. Der Schweizer Fotograf und engagierte Umweltschützer Beni Trutmann hat ein Vorher-Nachher-Poster gemacht, auf dem zwei Fotos zu sehen sind: Eins zeigt Landschaft pur, das andere, zur Abschreckung wohlgemerkt, Autowracks im Schein der untergehenden Sonne. Und ich muss sagen: Das Bild mit den rostenden Oldtimern gefällt mir weitaus besser.

Fortsetzung folgt...
... amaa...a.a....


Aktualisiert am 1. April 2021 | kontakt@niklaus-schmid.de

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